Klaviyo-Flows jenseits der Vorlagen: 7 Automationen, die wirklich tragen

Fast jeder Shop hat die Klaviyo-Vorlagen aktiviert. Und fast jeder Shop hat damit dieselben drei Mails wie alle anderen.

Die Vorlagen sind ein guter Start. Sie sind nur eben das: ein Start. Wir betreiben mit nano, mate und MUSTAX drei eigene Brands mit zwei Leuten. E-Mail ist dabei einer der wenigen Kanäle, der nachts weiterarbeitet. Deshalb haben wir die Flows über Jahre auseinandergenommen und neu gebaut.

Hier sind sieben Flows, die bei uns wirklich tragen. Jeder mit Auslöser, Inhalt und Zweck. Und danach die Liste, welche Flows du dir sparen kannst.

Warum Vorlagen allein nicht reichen

Die mitgelieferten Flows kennen dein Geschäft nicht. Sie wissen nicht, ob dein Produkt eine Verbrauchsware ist oder eine einmalige Anschaffung. Sie wissen nicht, wann dein Paket ankommt. Sie wissen nicht, welche Frage deine Kunden am dritten Tag stellen.

Genau diese drei Dinge entscheiden aber, ob eine Mail hilft oder nervt. Bei nano geht die Bitte um eine Bewertung erst raus, wenn das Paket laut Tracking zugestellt ist. Das ist eine winzige Bedingung, und sie hat den Rücklauf deutlich verändert. Vorher lief die Mail nach einer festen Zahl Tage, also manchmal bevor der Kunde das Produkt überhaupt in der Hand hatte.

Der Rest dieses Artikels ist im Kern eine Sammlung solcher Bedingungen.

Flow 1: Willkommensserie mit Verzweigung

Auslöser: Neue Anmeldung zum Newsletter.

Inhalt: Drei bis fünf Mails. Erste Mail sofort mit dem versprochenen Anreiz. Zweite Mail nach 24 Stunden mit der Geschichte hinter dem Produkt. Dritte Mail nach 72 Stunden mit dem konkreten Anwendungsfall.

Zweck: Aus einem Kontakt einen Erstkäufer machen, solange das Interesse frisch ist.

Der Unterschied zur Vorlage ist die Verzweigung. Sobald jemand kauft, verlässt er die Serie. Klingt selbstverständlich, ist es in der Praxis oft nicht: Wir sehen regelmäßig Shops, die einem frischen Käufer noch drei Tage lang den Willkommensrabatt hinterherschicken.

Zweite Verzweigung: Wer aus einer Produktseite kommt, bekommt andere Mails als jemand aus einem Blogartikel. Der eine steht kurz vor dem Kauf, der andere informiert sich.

Flow 2: Warenkorbabbruch in drei Stufen

Auslöser: Warenkorb angelegt, Kauf nicht abgeschlossen.

Inhalt: Erste Mail nach etwa einer Stunde, rein serviceorientiert. Zweite Mail nach 24 Stunden mit dem Einwand, der bei dir am häufigsten kommt. Dritte Mail nach 72 Stunden mit sozialem Beleg.

Zweck: Käufe retten, die an einer Kleinigkeit gescheitert sind.

Wichtig ist die Trennung von Checkout-Abbruch und Warenkorb-Abbruch. Wer schon E-Mail und Adresse eingegeben hat, ist deutlich näher am Kauf als jemand, der nur etwas in den Korb gelegt hat. Diese beiden Gruppen brauchen andere Mails und andere Abstände.

Und ja, das ist der Flow mit dem größten Umsatzanteil. Deshalb steckt darin auch die meiste Arbeit.

Flow 3: Browse Abandonment, aber selektiv

Auslöser: Produktseite mehrfach angesehen, kein Warenkorb.

Inhalt: Eine einzelne Mail nach etwa vier Stunden mit dem angesehenen Produkt und den zwei Fragen, die dazu am häufigsten kommen.

Zweck: Interesse aufgreifen, bevor es abkühlt.

Hier ist die Grenze wichtig, sonst wirkt es unheimlich. Wir lösen erst nach dem zweiten Besuch aus, schicken genau eine Mail und nie mehr als eine pro Woche. Ein einzelner Seitenbesuch ist Neugier, kein Kaufsignal.

Flow 4: Post-Purchase mit Tracking-Bedingung

Auslöser: Bestellung abgeschlossen, danach das Zustell-Ereignis aus dem Versand.

Inhalt: Kurz nach dem Kauf die Bestätigung mit realistischer Lieferzeit. Nach der Zustellung eine Anwendungsmail. Ein paar Tage später die Bitte um eine Bewertung.

Zweck: Anfragen vermeiden und Bewertungen einsammeln, ohne zu nerven.

Dieser Flow ist gleichzeitig Support-Arbeit. Rund 40 Prozent aller Anfragen sind bei uns "Wo ist meine Bestellung". Ein Post-Purchase-Flow, der von echten Versandereignissen ausgelöst wird, nimmt davon einen großen Teil weg. Der technische Aufbau dahinter steht in WISMO-Anfragen automatisieren.

Die Bedingung ist der Punkt. Ohne Zustell-Ereignis rätst du, und Raten produziert genau die Mails, die im falschen Moment ankommen.

Flow 5: Nachbestellung zum Verbrauchszeitpunkt

Auslöser: Kaufdatum plus die typische Verbrauchsdauer des Produkts.

Inhalt: Eine Erinnerung, die vom Produkt her argumentiert, nicht vom Rabatt. Bei einer Zahnbürste ist das der Zeitpunkt, an dem der Aufsatz gewechselt gehört.

Zweck: Wiederkauf zum richtigen Moment, ohne Abo-Zwang.

Bei nano ist das der Flow mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Ertrag. Er ist trivial gebaut und läuft seit Jahren unverändert. Voraussetzung ist nur, dass du die Verbrauchsdauer je Produkt kennst und im Shop hinterlegt hast.

Wenn du mehrere Produkte mit unterschiedlichen Zyklen hast, brauchst du das als Produktattribut. Ein fester Wert für alle Produkte macht den Flow sofort ungenau.

Flow 6: Winback in zwei Wellen

Auslöser: Letzte Bestellung liegt deutlich über dem üblichen Kaufabstand zurück.

Inhalt: Erste Welle ohne Rabatt, nur mit Neuheiten und einer echten Frage. Zweite Welle nach zwei Wochen mit einem Anreiz, falls keine Reaktion kam.

Zweck: Inaktive Kunden zurückholen und den Rest sauber aussortieren.

Der zweite Teil ist wichtiger als der erste. Wer auf beide Wellen nicht reagiert, gehört aus dem aktiven Verteiler. Eine Liste voller Karteileichen kostet dich nicht nur Geld, sie verschlechtert deine Zustellrate für alle anderen.

Flow 7: Zurück auf Lager

Auslöser: Kunde hat sich für ein ausverkauftes Produkt eingetragen, Bestand steigt wieder über null.

Inhalt: Eine kurze Mail, sofort, mit direktem Link.

Zweck: Nachfrage einsammeln, die sonst verloren geht.

Der Flow ist unspektakulär und hat trotzdem eine der höchsten Öffnungsraten überhaupt. Die Leute wollen diese Mail. Sie haben aktiv danach gefragt.

Die Bedingung dahinter ist ein sauberer Bestandsstand. Wenn dein Bestand zwischen Kanälen nicht stimmt, verschickst du Mails für Produkte, die schon wieder weg sind. Wie du das gerade hältst, steht in Bestandsführung im Multichannel.

Was wenig bringt

Damit du deine Zeit nicht in den falschen Flow steckst, die Gegenliste. Alles davon haben wir gebaut und wieder abgeschaltet oder stark reduziert.

Die Grenzen

Drei Dinge, die dir kein Flow abnimmt.

Flows ersetzen kein Angebot. Wenn dein Produkt nicht überzeugt oder dein Preis nicht passt, verstärkt die Automation nur das Problem. Sie schickt es nur öfter raus.

Flows sind nur so gut wie die Ereignisse darunter. Fünf der sieben Flows oben hängen an Daten aus anderen Systemen: Bestand, Versandstatus, Bestellhistorie. Wenn Shop, Versand und E-Mail-Tool nicht sauber miteinander reden, feuert dein bester Flow zum falschen Zeitpunkt. Bei uns macht n8n diese Verbindungsarbeit. Der Überblick dazu: E-Commerce Prozesse automatisieren.

Mehr Flows sind nicht besser. Irgendwann bekommt ein Kunde drei Mails an einem Tag aus drei verschiedenen Flows. Setz dir eine Obergrenze pro Empfänger und Woche und prüfe die Überschneidungen, bevor du den achten Flow baust.

Und eine rechtliche Grenze gehört dazu: Alles oben setzt eine gültige Einwilligung für Werbemails voraus. Transaktionsmails wie Bestell- und Versandbestätigung sind etwas anderes als Marketing. Wer beides vermischt, um die Einwilligung zu umgehen, handelt sich Ärger ein.

Fazit

Die sieben Flows oben sind keine Geheimwissenschaft. Der Unterschied liegt in den Bedingungen, nicht in der Idee: Zustellung statt fester Tage, zweiter Besuch statt erster, Verbrauchsdauer statt Pauschale, Kaufabschluss beendet die Serie.

Fang mit Warenkorbabbruch und Post-Purchase an. Die beiden tragen bei uns den größten Teil. Baue sie fertig, bevor du den dritten anfängst. Ein Flow, der läuft, schlägt fünf im Entwurfsmodus.

Wenn du wissen willst, welcher Flow bei dir zuerst den Hebel bringt und ob deine Daten dafür überhaupt reichen: Sprich mit uns bei Flowhouse.