Der Ops-Audit: In zwei Stunden alle manuellen Prozesse finden

Du weißt, dass zu viel von Hand läuft. Du weißt nur nicht, was genau, und was zuerst weg muss.

Genau dafür gibt es den Ops-Audit. Eine Woche schreibst du mit, danach brauchst du zwei Stunden für die Auswertung. Am Ende hast du eine sortierte Liste statt eines Bauchgefühls.

Ich habe zwölf Jahre bei PwC Prozesse analysiert. Damals dauerte so etwas sechs Wochen und kostete sechsstellig. Für einen E-Commerce-Brand mit zwei bis zehn Leuten geht das kürzer. Hier ist die Kurzfassung, die wir für unsere eigenen Brands nano, mate und MUSTAX benutzt haben.

Warum die meisten Prozessanalysen scheitern

Der übliche Fehler: Du setzt dich hin und schreibst aus dem Kopf auf, was du so machst. Das Ergebnis ist immer dieselbe Liste. Bestellungen, Support, Reporting. Alles richtig, alles nutzlos.

Denn aus dem Kopf schreibst du auf, was du für wichtig hältst. Du schreibst nicht auf, was dich wirklich Zeit kostet. Die zwanzig Minuten, in denen du zwischen zwei Tabs Zahlen abtippst, tauchen in keiner Erinnerung auf. Sie tauchen nur in der Woche auf, in der du sie mitschreibst.

Der zweite Fehler ist die Flughöhe. Viele notieren "Kundenservice". Das ist ein ganzer Bereich. Ein Prozess dagegen hat einen Auslöser, ein paar Schritte und ein Ergebnis. "Retourenanfrage kommt rein, Label erstellen, an Kunden mailen" ist ein Prozess. Den kannst du messen, den kannst du automatisieren.

Der dritte Fehler ist Timing. Wer in der Woche vor Black Friday misst, misst den Ausnahmezustand. Nimm eine normale Woche.

Was manuelle Prozesse dich unter dem Strich kosten, habe ich in Die wahren Kosten manueller Prozesse durchgerechnet. Der Ops-Audit ist der Schritt davor: erst wissen, was da ist.

Schritt 1: Eine Woche mitschreiben

Fünf Arbeitstage. Ein Dokument, eine Notiz-App, meinetwegen ein Blatt Papier neben dem Laptop. Wichtig ist nur, dass es immer dieselbe Stelle ist.

Jedes Mal, wenn du eine Aufgabe abschließt, schreibst du vier Dinge auf:

Zwei Regeln, damit die Woche etwas taugt. Erstens: sofort notieren, nicht abends aus dem Gedächtnis. Zweitens: auch die Fünf-Minuten-Sachen. Die kleinen Aufgaben sind der Grund, warum der Tag voll ist, obwohl nichts Großes passiert ist.

Wenn ihr zu zweit oder zu dritt seid, schreibt jeder seine eigene Liste. Zusammenwerfen kommt später. Wer gemeinsam in ein Dokument schreibt, beeinflusst sich gegenseitig.

Schritt 2: Sortieren nach Häufigkeit und Dauer

Jetzt die zwei Stunden. Nimm deine Liste und fass gleiche Einträge zusammen. Aus sechs Zeilen "WISMO-Mails beantwortet" wird eine Zeile mit einer Häufigkeit.

Für jede Zeile brauchst du drei Zahlen:

Die dritte Zahl ist die einzige, die zählt. Sie macht Dinge vergleichbar, die sich sonst nicht vergleichen lassen. Eine Aufgabe, die zwei Minuten dauert und dreißigmal die Woche vorkommt, schlägt eine Aufgabe, die zwei Stunden dauert und einmal im Monat anfällt. Fast immer landet oben etwas, das du nie für ein Problem gehalten hättest.

Bei uns war das die Bestellabwicklung bei mate. Ein einzelner Durchlauf war kurz. In Summe waren es jeden Tag vier Stunden. Heute sind es 15 Minuten pro Tag.

Schritt 3: Die Tabelle, die dabei herauskommt

So sieht das Ergebnis aus. Die Zahlen sind ein Beispiel, kein Versprechen.

ProzessAuslöserHäufigkeitDauerStd./MonatWiederholt sich
WISMO-Mails beantwortenKundenmail60 pro Woche4 min17ja, identisch
Bestellungen an FulfillerShopify-Order350 pro Woche3 min75ja, identisch
Retourenlabel erstellenKundenmail25 pro Woche6 min11ja, identisch
Wochenreport bauenMontag1 pro Woche120 min9ja, mit Denkarbeit
Lieferantenpreise verhandelnunregelmäßig1 pro Monat180 min3nein
Produktideen bewertenunregelmäßig2 pro Monat90 min3nein

Zwei Dinge fallen sofort auf. Erstens: Die oberen drei Zeilen sind zusammen mehr als hundert Stunden im Monat. Zweitens: Die unteren zwei Zeilen sind die Arbeit, für die du eigentlich Gründer geworden bist, und sie bekommen sechs Stunden.

Genau diese Verteilung ist der eigentliche Befund. Nicht eine einzelne Zeile.

Schritt 4: Aufwand gegen Nutzen

Jetzt kommt die zweite Spalte, die du selbst füllen musst: Wie schwer ist das zu automatisieren. Ich benutze drei Stufen, mehr braucht es nicht.

Die harte Regel dahinter: Wenn du die Schritte einem neuen Praktikanten als Checkliste geben könntest, kann eine Maschine sie ausführen. Wenn du bei jedem dritten Fall "kommt drauf an" sagen würdest, kann sie es nicht.

Danach rechnest du grob. Ein Prozess mit 17 Stunden im Monat und Aufwand "mittel" ist nach wenigen Monaten bezahlt. Ein Prozess mit 3 Stunden im Monat und Aufwand "schwer" ist es nie. Was der Aufbau realistisch kostet, steht in Was Automatisierung wirklich kostet.

Schritt 5: Die Reihenfolge festlegen

Jetzt sortierst du ein letztes Mal, diesmal nach Stunden geteilt durch Aufwand. Oben steht, was viel Zeit frisst und leicht zu bauen ist.

Dann streichst du alles unter Platz drei. Wirklich. Drei Prozesse, mehr nicht.

Der Grund ist unangenehm, aber ich habe ihn oft genug gesehen: Wer fünf Automatisierungen gleichzeitig startet, hat nach acht Wochen fünf halbfertige. Halbfertig ist schlechter als gar nicht, weil du dann beide Wege pflegst, den alten und den neuen.

Bei den drei Gewinnern beschreibst du je zwei Sätze: Was löst es aus, was soll am Ende passieren. Das ist schon fast das Briefing. Wie so ein Projekt dann abläuft, haben wir in Ablauf eines Automatisierungsprojekts beschrieben. Welche Station in welcher Reihenfolge überhaupt Sinn ergibt, steht in E-Commerce-Prozesse automatisieren.

Was der Audit bei uns gebracht hat

Wir haben das für unsere eigenen Brands durchgezogen, und zwar zweimal. Beim ersten Mal stand die Bestellabwicklung ganz oben, was wir vermutet hatten. Beim zweiten Mal stand etwas oben, mit dem keiner gerechnet hatte: das Reporting bei MUSTAX.

Zahlen zusammensuchen, Tabellen bauen, Zahlen prüfen. In Summe zwei Tage pro Zyklus. Es fühlte sich nie nach einem Problem an, weil es nur einmal anfiel. In Stunden pro Monat gerechnet war es Platz zwei. Heute dauert das Reporting bei MUSTAX zwei Stunden statt zwei Tage.

Über alle Prozesse hinweg sparen wir bei drei Brands mit zwei Leuten heute 33 bis 46 Stunden pro Woche. Angefangen hat das mit einer Strichliste auf einem Blatt Papier.

Was ein Ops-Audit nicht leisten kann

Damit du keine falschen Erwartungen hast. Vier Dinge findet dieses Verfahren nicht:

Und eine Größenfrage gehört auch dazu. Unter etwa zehn Bestellungen am Tag lohnt sich der Aufwand meist noch nicht. Da ist deine Zeit im Wachstum besser aufgehoben. Was du ab welchem Volumen brauchst, steht in der Roadmap von 0 auf 100 Orders.

Fazit

Der Ops-Audit braucht kein Beraterprojekt. Eine Woche Mitschreiben und zwei Stunden Sortieren reichen.

Fünf Schritte: mitschreiben, nach Stunden pro Monat sortieren, Aufwand einschätzen, Nutzen dagegen rechnen, drei Prozesse auswählen. Der Rest wartet.

Der wertvollste Teil ist übrigens der Moment, in dem du siehst, wie wenig Zeit im Monat für die Arbeit übrig bleibt, die dein Geschäft nach vorn bringt. Diese Zahl ändert Entscheidungen schneller als jedes Tool.

Mach die Woche. Danach weißt du mehr als jeder Anbieter, der dir eine Lösung verkaufen will.

Wenn du die Liste hast und beim nächsten Schritt jemanden brauchst, der so etwas jeden Tag baut: Wir bei Flowhouse schauen uns deine drei obersten Zeilen gerne an. Kein Pitch, erstmal nur ein Blick drauf.