SEO-Reporting ohne Agentur-Deck: Unser Dashboard in 15 Minuten

Wir hatten drei Jahre lang monatliche SEO-Decks. Ich kann mich an keine einzige Entscheidung erinnern, die wir daraufhin getroffen haben.

Irgendwann haben wir aufgehört, sie zu lesen. Danach haben wir sie ersetzt, durch ein Dashboard, das jeden Montag automatisch befüllt wird und in 15 Minuten gelesen ist.

Hier steht, welche Zahlen darin stehen, woher sie kommen und was wir mit ihnen machen. Und die Stelle, an der eine Agentur trotzdem der bessere Weg ist.

Warum das Deck nicht funktioniert hat

Das Problem war nie die Qualität der Folien. Die waren sauber gebaut.

Das Problem war der Takt. Ein Deck kommt einmal im Monat, meist in der zweiten Woche, für den Vormonat. Wenn eine Kategorieseite Mitte Februar abrutscht, erfährst du das Mitte März. Da ist der Schaden sechs Wochen alt.

Das zweite Problem war die Richtung. Ein Deck ist ein Bericht über die Vergangenheit. Es beantwortet "Wie lief es". Wir brauchten "Was mache ich jetzt".

Das dritte Problem waren die Zahlen selbst. In einem typischen Deck stehen dreißig bis vierzig Kennzahlen. Sichtbarkeitsindex, Domain Rating, Backlink-Wachstum, durchschnittliche Position über alle Keywords. Alles messbar, das meiste ohne Konsequenz. Bei dreißig Zahlen findest du immer eine, die grün ist.

Das Muster kennst du aus anderen Bereichen. Reporting, das niemand in eine Handlung übersetzt, ist Arbeit ohne Ergebnis. Wie viel Zeit solche Routinen kosten, habe ich in Die wahren Kosten manueller Prozesse durchgerechnet.

Die fünf Zahlen, die geblieben sind

Wir haben radikal gekürzt. Übrig sind fünf Zahlen, und jede beantwortet eine Frage, aus der eine Handlung folgt.

1. Klicks aus der organischen Suche, pro Woche. Die Basiszahl. Sie sagt, ob mehr Leute kommen. Nicht Impressionen, weil Impressionen von Rankings auf Position 40 mitgezählt werden, die niemand anklickt.

2. Klicks nach Seitentyp. Wir teilen in drei Gruppen: Produktseiten, Kategorieseiten, Ratgeberinhalte. Diese Aufteilung ist der wertvollste Schnitt im ganzen Dashboard. Sie zeigt, ob dein Wachstum aus Leuten kommt, die kaufen wollen, oder aus Leuten, die etwas nachlesen.

3. Die zehn Seiten mit dem größten Zuwachs und Verlust, Woche gegen Woche. Zwei kurze Listen. Sie ersetzen dreißig Folien, weil sie sofort auf eine konkrete URL zeigen.

4. Keywords auf Position 4 bis 15. Der Bereich, in dem Arbeit sich am schnellsten auszahlt. Wer auf Position 30 steht, braucht Monate. Wer auf Position 6 steht, braucht oft nur eine bessere Überschrift und einen internen Link.

5. Technische Fehler mit Trend. Nicht die Gesamtzahl, weil die immer ein paar hundert ist. Nur die Veränderung. Wenn über Nacht 400 Seiten aus dem Index fallen, ist das die einzige Zahl, die an dem Tag zählt.

Was hier bewusst fehlt: Sichtbarkeitsindex, Domain Rating, Rankings einzelner Lieblings-Keywords. Diese Zahlen fühlen sich nach Fortschritt an und ändern nie eine Entscheidung.

Woher die Daten kommen

Alle fünf Zahlen kommen aus zwei Quellen, die du schon hast.

Google Search Console. Sie liefert Klicks, Impressionen, Positionen und Suchanfragen, aufgeschlüsselt nach URL. Die API ist kostenlos und gut dokumentiert. Für die Zahlen 1 bis 4 reicht sie allein.

Ein Crawler oder die Indexabdeckung. Für Zahl 5 brauchst du etwas, das deine Seiten regelmäßig durchgeht. Die Indexberichte der Search Console reichen für den Anfang.

Der Ablauf bei uns ist unspektakulär. Ein Workflow in n8n läuft jeden Montag früh. Er holt die Search-Console-Daten der letzten Woche und der Vorwoche, rechnet die Differenzen, schreibt alles in eine Tabelle und schickt die fünf Blöcke als Nachricht in Slack. Unser n8n-Server kostet rund 15 Euro im Monat und macht nebenbei den Rest unserer Automatisierung, siehe E-Commerce-Prozesse automatisieren.

Wenn du nicht selbst bauen willst, geht dasselbe mit einem Looker-Studio-Bericht auf der Search-Console-Datenquelle. Weniger flexibel, in einer Stunde fertig.

Wichtig ist eine Sache: Die Zahlen müssen von selbst kommen. Ein Dashboard, das du aktiv öffnen musst, öffnest du nach vier Wochen nicht mehr. Ein Dashboard, das dir montags in den Chat rutscht, liest du. Das ist derselbe Mechanismus wie bei unseren anderen Reports, siehe Marketing automatisieren im E-Commerce.

Der Takt: wöchentlich lesen, monatlich denken

Wie oft du hinschaust, entscheidet mehr über den Nutzen als die Auswahl der Kennzahlen.

Wöchentlich, 15 Minuten. Montags. Du liest die fünf Blöcke und suchst genau zwei Dinge: einen Ausreißer nach unten und eine Gelegenheit. Der Ausreißer wird geprüft, die Gelegenheit landet als Aufgabe. Mehr passiert nicht.

Monatlich, 45 Minuten. Einmal im Monat schaust du auf den Verlauf statt auf die Woche. Wächst der Kanal über drei Monate. Verschiebt sich das Verhältnis zwischen Produkt-, Kategorie- und Ratgeberseiten. Hat die Arbeit der letzten Monate etwas bewegt.

Täglich: gar nicht. Tägliche SEO-Zahlen sind Rauschen. Ein Wochentag schwankt gegen den anderen um zweistellige Prozentsätze, ohne dass irgendetwas passiert ist. Wer täglich draufschaut, reagiert auf Zufall.

Die eine Ausnahme ist Zahl 5. Technische Fehler sollen dich sofort erreichen. Bei uns löst ein plötzlicher Sprung eine eigene Meldung aus, unabhängig vom Montagsreport.

Was das bei unseren Brands gebracht hat

Konkret bei nano. Wir hatten eine Reihe von Ratgeberartikeln zu Zahnpflege, die solide liefen. Im wöchentlichen Blick fiel auf, dass drei davon zusammen deutlich Klicks verloren, während der Gesamtwert stabil blieb. Im Monatsdeck wäre das nie aufgefallen, weil die Summe gestimmt hätte.

Wir haben die drei Artikel angeschaut, festgestellt, dass ein Wettbewerber sie inhaltlich überholt hatte, und sie überarbeitet. Zwei kamen zurück, einer nicht. Zeitaufwand vom Erkennen bis zur Entscheidung: eine halbe Stunde.

Der zweite Effekt war der wichtigere, und er hat nichts mit Rankings zu tun. Das MUSTAX-Reporting hat früher zwei Tage gedauert, heute zwei Stunden. Der SEO-Teil davon war ein spürbares Stück dieser zwei Tage. Zahlen zusammensuchen ist Arbeit, die vollständig verschwinden kann.

Über alle Prozesse hinweg sparen wir bei drei Brands mit zwei Leuten 33 bis 46 Stunden pro Woche. Reporting war nie der größte Posten. Es war aber der, bei dem der Aufbau am schnellsten ging.

Wann eine Agentur der bessere Weg ist

Das hier ist kein Argument gegen Agenturen. Es ist ein Argument gegen monatliche Folien.

Für diese Aufgaben holen wir uns weiterhin Leute dazu, und du solltest das auch:

Die klare Trennlinie: Berichten ist Maschinenarbeit, Deuten und Handeln ist Menschenarbeit. Wenn deine Agentur einen Teil ihres Honorars für das Zusammentragen von Zahlen aufwendet, verschiebe genau diesen Teil in ein Dashboard. Die frei werdende Zeit steckst du in Inhalte und Technik.

Wenn du gerade grundsätzlich überlegst, was du selbst baust und was du einkaufst, hilft Agentur, Freelancer oder selbst bauen.

Die Grenzen dieses Dashboards

Fünf Dinge kann unser Setup nicht, und du solltest sie kennen, bevor du es nachbaust.

Und eine Größenordnung noch. Unter etwa 1.000 organischen Klicks im Monat lohnt der Aufbau kaum. Bei so wenig Daten ist jede Wochendifferenz Zufall. Da reicht ein Blick in die Search Console alle zwei Wochen.

Fazit

Fünf Zahlen, zwei Quellen, ein Termin pro Woche. Das ist das ganze Setup.

Der Gewinn liegt nicht in besseren Zahlen. Er liegt darin, dass zwischen einem Problem und seiner Entdeckung jetzt Tage liegen statt Wochen, und dass niemand mehr Zeit mit dem Zusammentragen verbringt.

Wenn du gerade ein monatliches Deck bekommst: Schau nach, wann du zuletzt wegen einer Folie etwas anders gemacht hast. Wenn dir nichts einfällt, hast du deine Antwort.

Der Rest ist Bauen. Wenn du dabei jemanden brauchst, der solche Berichte jede Woche zusammensteckt: Meld dich bei Flowhouse, wir zeigen dir unseren Workflow gerne im Detail.